Publizistik

«Nichts ist erregender als die Wahrheit.»

Egon Erwin Kisch

Wirklichkeit erkennen. Der Journalismus wandelt sich rasant. Mit der Digitalisierung und Multimedialisierung haben sich die Möglichkeiten vervielfacht, wie journalistische Inhalte attraktiv aufbereitet und zum Publikum gebracht werden können. Doch die Kernaufgabe des Journalismus ist gleich geblieben. Es geht darum, ein zutreffendes Bild der Wirklichkeit zu liefern, oder wie es Rudolf Augstein sagte: «Schreiben, was ist.»

Wirklichkeit durchdringen. Ein blosses Abbild der Wirklichkeit ist jedoch noch nicht die Realität selbst. Diese liegt oft in den Tiefenstrukturen der Gesellschaft, in den Triebkräften der Politik und der Wirtschaft sowie in der Macht der Gedanken, welche die Menschen umtreiben. Gefragt ist deshalb ein journalistischer Blick, der die sichtbare Oberfläche durchdringt und die Dinge durch sie hindurch zur Anschauung bringt.

Wirklichkeit gestalten. Journalistinnen und Journalisten können die Wirklichkeit nicht objektiv abbilden, das ist unmöglich. Durch Standpunkt, Perspektive, Selektion, Gewichtung, Framing und Erzählmethoden erschaffen sie eine eigene Medienwirklichkeit, also Narrative der Realität, welche die Wahrnehmung der Welt und das Handeln strukturieren. «Die Wirklichkeit ist eine Konstruktion", hielt Siegfried Kracauer fest. Publizistische Produkte müssen deshalb einer Wahrhaftigkeit verpflichtet sein, welche die Konstruktionsprinzipien transparent macht.

Helmut Stalder, Journalist und Buchautor. Seit mehr als drei Jahrzehnten schreibe ich nach diesem Credo journalistische Texte, realisiere Beilagen und Spezialpublikationen, produziere Videos und Podcasts, schreibe Buchbeiträge und Bücher. Einen Überblick über mein publizistisches Schaffen im Bereich des Geschichtsjournalismus und der dokumentarischen Sachbücher und Biographien finden Sie hier.

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Aktuelle Beiträge von Helmut Stalder

Eiffelturm? Das Wahrzeichen von Paris müsste Koechlin-Turm heissen

Zum 100. Todestag wird Gustave Eiffel als «Magier des Eisens» für seinen Turm in Paris gefeiert. Doch die Idee und die Berechnungen zum damals höchsten Bauwerk der Welt stammen vom Schweizer Ingenieur Maurice Koechlin.

NZZ - 27.12.2023

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Reise am Rand der Katastrophe: Wie britische Offiziere die Quelle des Nils entdeckten und welche Rolle ein ehemaliger Sklave dabei spielte

Wo der Nil entspringt, war seit der Antike eines der grossen Rätsel der Welt. Im 19. Jahrhundert machten sich Forschungsreisende auf, es zu lösen. Und bahnten dem Kolonialismus den Weg.

NZZ - 16.12.2023

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Fluch des Überflusses: Mehr Wohlstand heisst mehr Abfall

Die Wirtschaft produziert immer mehr - und die Welt erstickt im Abfall. Der Historiker Roman Köster zieht in seiner Weltgeschichte des Mülls eine düstere Bilanz.

NZZ - 15.12.2023

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Im Olymp des Massentourismus: Mit dem Bau der Jungfraubahn begann die technische Kolonisation der Schweizer Alpen

Vor 125 Jahren wurde die Station Eigergletscher der Junfraubahn eröffnet. Mittlerweile hat der Massentourismus mit V-Bahn und Rollbändern im Berginnern neue Höhepunkte erreicht.

NZZ - 18.09.2023

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Der Geopolitiker aus Brig (Teil 1)

Mitten im Dreissigjährigen Krieg macht Kaspar Stockalper den Passweg über den Simplon zu einer Hauptachse Europas. Als erster Schweizer Multiunternehmer wird er unsäglich reich. Er verkehrt mit Kaisern, Königen und Päpsten, mischt in der europäischen Politik mit – und fällt tief.

BLOG NATIONALMUSEUM – 13.09.2023

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Neutralität als Geschäftsmodell (Teil 2)

In den Wirren des Dreissigjährigen Krieges hält Kaspar Stockalper drei Trümpfe in der Hand: Simplon, Söldner und Salz. In seiner Konzernzentrale in Brig entwickelt er die ebenso heikle wie lukrative Strategie des internationalen Doppelspiels.

BLOG NATIONALMUSEUM - 14.09.2023

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Geld scheffeln bis zum Untergang (Teil 3)

Kaspar Stockalper hat im Wallis einen Konzern aufgebaut, der die Krisen des 17. Jahrhunderts geschickt ausnutzt. Geld scheffeln ist für ihn ein religiöser Auftrag und die Eintrittskarte zur ewigen Seligkeit. Das bewahrt ihn jedoch nicht vor einem politischen Komplott, mit dem Konkurrenten seinen Sturz herbeiführen.

BLOG NATIONALMUSEUM - 15.09.2023

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Mit dem Schiff über die Alpen

Visionär. Der Ingenieur Pietro Caminada ersann ein Röhrensystem, mit dem Frachtschiffe die Berge überwinden sollten. Das funktioniert – zumindest in seinem Kopf.

BEOBACHTER 6/2021

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Mussolini und die provozierenden Bahnwaggons im Hochgebirge

Unter dem italienischen Diktator Mussolini werden am Pass San Giacomo auf rund 2300 Metern über Meer zwei Eisenbahnwagen aufgestellt. Das ist eine gezielte Provokation an der Grenze und führt zu energischen Gegenmassnahmen der Schweiz – ein Blick zurück.

NZZ - 14.12.2020

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Das Reptil aus der Urzeit der Elektrotechnik lebt

Das «Krokodil» ging vor 100 Jahren auf die Schienen und wurde zur Ikone. Die Lokomotive läuft und läuft und läuft – dank wenigen Enthusiasten, die in Fronarbeit Schweizer Industriegeschichte retten.

NZZ - 29.04.2020

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Beste Beiträge von Helmut Stalder

Wie die Schweiz über Jahre Atommüll im Meer entsorgte

Die Schweiz hat bis 1982 insgesamt 5321 Tonnen Atomabfälle im Nordatlantik versenkt. In welchem Zustand die Fässer sind, weiss niemand. Und schon gar nicht, ob man sie zurückholen könnte.

NZZ - 11.11.2019

Wie am Gotthard die Schweiz neu Erfunden wurde

Kein Bauwerk hat jemals die Schweiz mehr geprägt als Alfred Eschers Gotthardbahn – wirtschaftlich, politisch und mental. Der mythische Gotthard wurde zum Kern einer neuen nationalen Identität, die bis heute anhält.

NZZ - 23.02.2019

Der Krieg, der einen Staat gebar

Wegen der Pässe und des Exports von Söldnern ringt sich die Schweiz zur Neutralität durch – und geht als souveräner Staat aus dem Dreissigjährigen Krieg hervor.

NZZ - 26.05.2018

Die Russen erobern den Gotthard

Der Gotthard wird im Herbst 1799 zum europäischen Schlachtfeld. Tausende russische Soldaten unter General Suworow sterben im Kampf gegen die Franzosen. Das kolossale Kriegerdenkmal in der Schöllenenschlucht befremdet bis heute.

NZZ - 18.09.2017

«Schicken Sie 300 Kilo Journalisten»

Die Geschichte des legendären U-Boots «Auguste Piccard» beginnt mit einem Eklat. An der Expo 64 wird es dennoch zur Ikone, dient später jahrelang der Forschung und entgeht knapp der Verschrottung.

NZZ - 10.07.2017

Agassiz-Horn: Warum ein Alpengipfel an einen Rassisten erinnert

1840 tauft Louis Agassiz im Grimselgebiet einen Gipfel auf seinen Namen. Das irritiert bis heute, denn er war nicht nur ein verdienter Naturforscher, sondern auch ein vehementer Rassist.

NZZ - 29.05.2017

Die Schweizer Hochseeflotte gerät in Schieflage

Im April 1941 gründet das Binnenland Schweiz eine eigene Hochseeflotte. Die merkwürdigste Flotte der Welt trotzte allen Stürmen – bis jetzt.

NZZ - 02.04.2017

Goethe am Gotthard

Dreimal hat Goethe den Gotthard erklommen. Die faustische Landschaft inspirierte ihn und befruchtete sein Werk. Umgekehrt literarisierte er das Gebirge und gab ihm Konturen. Spuren einer Wahlverwandtschaft.

NZZ - 12.01.2017

«300'000 Franken zum Teufel»

Der sagenhafte Teufelsstein von Göschenen steht dem Bau des Gotthard-Strassentunnels im Weg und soll daher gesprengt werden. Doch die Urner opponieren und retten 1973 den Klotz – nicht zum ersten Mal.

NZZ - 21.11.2016

Der Gotthard als Mission in der Mitte Europas

Der Gotthard ist mehr als eine Passage durch die Alpen. Er ist seit Generationen der Referenzpunkt nationaler Identität, an dem sich die Schweiz stets neu bewähren muss.

NZZ - 24.05.2016

Die Schlacht um die Vergangenheit

Zum Jubiläum von Morgarten, Marignano und des Wiener Kongresses 2015 ringen Historiker und Politiker um die Geschichte. Denn wer die Vergangenheit beherrscht, bestimmt die Zukunft.

BEOBACHTER 8/2015

Berliner Fernsehturm: «Ein Viertel davon gehört mir»

Der Berliner Fernsehturm steht eigentlich auf schweizerischem Boden. Jahrzehntelang kämpfte Gret Lüscher um das millionenteure Grundstück mit den Nazis, den Sowjets, der DDR und dem wiedervereinten Deutschland. Am Ende wurde sie mit knapp 2000 Euro abgespeist.

BEOBACHTER 23/2009

«Ich musste einfach helfen»

Ein Schweizer beschleunigte das Ende der DDR: Als 1989 in Ungarn der Eiserne Vorhang riss, war Reto Kaufmann massgeblich beteiligt. Er brachte als Fluchthelfer 264 Ostdeutsche nach Österreich. Jetzt erzählt er erstmals seine Geschichte.

BEOBACHTER 21/2009

Der Gotthard in der DDR: 33 Quadratmeter Sehnsucht

Mitten im Kalten Krieg haben Modellbahnfreunde in der DDR die Nordrampe der Gotthardbahn nachgebaut. Pläne und Fotos mussten sie heimlich aus dem Westen beschaffen. Das Modell ist gebautes Fernweh und zeigt Weltgeschichte im Kleinformat.

BEOBACHTER 16/2009

‍«Auguste Piccard»: Aufgetaucht aus der Versenkung

Das legendäre U-Boot des Tiefseepioniers Jacques Piccard wird restauriert. Das technische Meisterwerk von 1964 fuhr im Genfersee und in den Weltmeeren – und entdeckte beinahe einen sagenhaften Goldschatz.

BEOBACHTER 25/2008

Bücher von Helmut Stalder

Der Günstling – Kaspar Stockalper – Reichtum, Macht und der Preis des Himmelreichs
Das Buch erzählt die wahre Geschichte von Kaspar Stockalper (1609-1691), der mitten im Dreissigjährigen Krieg am Simplonpass im Wallis ein europaweites Handelsimperium errichtete, unsäglich reich wurde und tief stürzte. Ein Königsdrama wie von Shakespeare geschrieben, aber von der Realität gestellt.
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Verkannte Visionäre – 25 Schweizer Lebensgeschichten
Das Buch versammelt 25 unglaubliche, aber wahre Biographien von verkannten Visionären, gescheiterten Genies und siegreichen Spinnern, von vergessenen Pionierinnen, zielstrebigen Querdenkerinnen. Sie überwanden geistige Grenzen und öffneten Horizonte. Doch sie wurden von der Nachwelt verdrängt und vergessen.
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Gotthard. Der Pass und sein Mythos
Der Sankt Gotthard ist der Pass schlechthin. Kein anderer Alpenübergang ist derart mit Bildern, Erzählungen und Mythen überspannt und besitzt eine solche politische Symbolkraft für die Schweiz und Europa. Er ist der Ort, wo sich die Schweiz immer wieder selbst vergewissert, woher sie kommt und wohin sie soll. Dieses Buch ist das Standardwerk zum Gotthard, das dem Mythos auf den Grund geht und zeigt, was der Pass bedeutet.
zum Buch
Siegfried Kracauer. Das journalistische Werk in der 'Frankfurter Zeitung' 1921-1933
Mit Siegfried Kracauer hat sich ein Philosoph unter die Journalisten begeben, und das war ein Glücksfall. Wie kaum einer seiner Zunft stellte er sich der Frage: Was ist Wirklichkeit und wie ist sie darstellbar? Dieses Buch untersucht Kracauers Methoden der Wirklichkeitsdarstellung und erweist sich als erhellender Beitrag zur aktuellen Debatte um Fake News und Virtual Reality.
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